Sárvár – eine Wiege der Reformation in Ungarn

Sárvár – eine Wiege der Reformation in Ungarn

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Quelle: Evangélikus Élet, Deutsche Anlage, Text: Zoltán V. Molnár
Neben Ödenburg und Debrecen wird auch die ländliche Kleinstadt Sárvár zu einem bevorzugten Veranstaltungsort der Feiern zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“. Bis zum Beginn des Jubiläumsjahres wird die Erneuerung des Innenraumes der Kirche erfolgreich abgeschlossen werden. Die Altarwand und die Orgel wurden unter anderem durch eine Förderung der Regierung restauriert. Die Kirche bekam neue Fliesen, und die Gemeindeglieder von Sárvár können der Verkündigung der Worte Gottes in neuen Bänken zuhören. Dank der Selbstverwaltung der Stadt bekommt der Platz vor der Kirche ein neues Antlitz. Den Plänen nach wird auch das Denkmal des humanistischen Gelehrten und Bibelübersetzers Johann Sylvester hier Platz finden.

Dass Sárvár in West-Transdanubien im 16. Jahrhundert die Wiege der Reformation werden konnte, ist an erster Stelle dem Palatin Thomas Nádasdy, dem Bibelübersetzer Johann Sylvester und der im Jahre 1537 errichteten Druckerei zu verdanken. Die Burg von Sárvár und die dazu gehörenden Besitztümer waren in diesem Jahrhundert noch im Besitz der Familie Kanizsai. Als der kleinadelige Thomas Nádasdy Ursula Kanizsai geheiratet hatte, kam er zu einem mächtigen Vermögen. Er war ein hochgebildeter Politiker seiner Zeit, der als Beamter in der Rangleiter immer höher emporstieg: 1534 war er Obergespan von Eisenburg, 1537 Banus von Kroatien und Slowenien, 1540 Landesrichter, 1542 wurde er zum Landeshauptkapitän. Am Hofe Sárvár lebten und verkehrten, in der Zeit von Thomas Nádasdy, der mit dem Protestantismus sympathisierte, berühmte Gelehrte, Ärzte und Prediger. Unter anderen: Kaspar Szegedi Kőrös, Sebastian Tinódi, Matthias Dévai Bíró, Peter Melius d. Jüngere, Johann Sylvester. Johann Sylvester kam auf Thomas Nádasdys Einladung nach Sárvár. Der reiche Aristokrat ernannte den Gelehrten, der ein ausgezeichneter Kenner der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache war, zum Schulmeister. 1537 wurde eine Druckerei gegründet, deren Leitung ebenfalls Sylvester übertragen wurde. Im Jahre 1539 erschien die lateinisch-ungarische Grammatik dieses humanistischen Gelehrten, welche die erste wissenschaftliche Systematisierung der ungarischen Sprache darstellt, dann folgte im Jahre 1541 die Übersetzung des Neuen Testamentes. Man kann nicht oft genug betonen, dass dieses Werk das erste in ungarischer Sprache gedruckte Buch in Ungarn war. Übrigens begannen die ersten ungarländischen Druckereien in der Mehrheit auf den von den Türken besetzten Gebieten zu arbeiten. Erst in unseren Tagen wurde allgemein bekannt, dass der Beginn und die Entwicklung des ungarischen Buchdrucks dem Humanismus, beziehungsweise dessen geistigem Erbe, der Reformation zu verdanken ist. 1542 verließ Johann Sylvester Sárvár, er ging nach Wien, wo er an der Wiener Universität Professor des hebräischen Lehrstuhles wurde. Sárvár blieb vorübergehend ohne Druckerei. Etwa nach 60 Jahren folgte ihm dann Johann Manlius, ein Wanderbuchdrucker, der im Jahr 1602 das gegen die katholischen Gläubigen geschriebene, historisierende Werk von Stephan Magyari „Von den Gründen der vielen Verschlechterungen in den Ländern...“ herausgebracht hat. Wie Sylvester, so hat auch Johann Manlius hervorragende Beiträge im Dienste des Protestantismus und des Ungartums geleistet. In der Nachfolge von Johann Sylvester verkehrte noch ein Reformator von großem Format in Sárvár: Matthias Dévai Bíró, der „Ungarische Luther“. Er kam im Jahre 1535 nach Sárvár. Hier unterrichtete er auch in der Schule, die von Nádasdy gegründet wurde. Vermutlich schrieb er zu dieser Zeit seine Flugschrift: „Disputatio“. Obwohl er im Herbst des folgenden Jahres nach Nürnberg zog, wurde der Briefwechsel mit Thomas Ná- dasdy auch später nicht von ihm unterlassen. Mehrere Schüler der Schule in Sárvár sind berühmt geworden. Einigen hat Thomas Nádasdy zu ausländischen Studien verholfen. Aus den Schriften der Kirchengeschichte kann man mit mehr oder weniger Präzision die Namensliste der Prediger und Lehrer im 16. Jahrhundert zusammenstellen. (In erster Linie ist das der Verdienst von Sándor Payr, der – nicht nur nebenbei – ab September 1886 bis März 1887 Vikar in Sárvár war.) Es muss jetzt noch ein Name erwähnt werden: Matthäus Szegedy, der 1555 schon Prediger am Hof von Sárvár und der Erzieher des kleinen Franz Nádasdy war. Im Jahre 1576 wurde Sárvár zum Bischofssitz, da Matthäus Szegedy vom Transdanubischen Kirchenbezirk zum ersten Bischof gewählt wurde. Die komplizierten gesellschaftlichen Verhältnisse des 16. Jahrhunderts sind auch in den kirchlichen Bräuchen nachvollziehbar. Vom Hof von Nádasdy kennen wir auch die Namen der römisch-katholischen Priester. Die Familie von Thomas Nádasdy hat auch noch zu Ostern 1547 geweihtes Fleisch vom Kalb und geweihten Spinat gegessen. Wir wissen aber von Georg Parneszith, dem Verwalter des Palatins, dass die Prozession im Jahre 1551 zu Fronleichnam schon nach der neuen Ordnung zur Kirche von Sári führte. Von Nádasdys Frau wurde das Abendmahl im Jahre 1554 unter beiderlei Gestalt (Brot und Wein) empfangen. Ab diesem Zeitpunkt gab es immer einen evangelischen Pfarrer am Hof. Im Jahre 1643 ist der damalige Gutsherr, Franz Nádasdy III. – der später enthauptete oberste Landesrichter – samt Hofgesinde zum katholischen Glauben übergetreten. Die protestantischen Pfarrer und Lehrer mussten eine harte Schicksalsprüfung durchmachen. Von jenen, die ihren Glauben behalten wollten, wurden viele zur Galeerenstrafe verurteilt. Eine Zeit lang schmachteten im Kerker der Burg Sárvár acht evangelische und sieben reformierte Pfarrer. Im Innenhof der Burg befindet sich eine Gedenktafel mit ihren Namen als Erinnerung an diese schweren Zeiten. In der Geschichte unserer Kirchen dauerte die Zeit der sogenannten Artikulationskirchen hundert Jahre lang - von 1681 bis 1781. Aus heutiger Sicht mussten unsere Ahnen verblüffende Opfer bringen, um ihren Glauben bewahren zu können. Sie mussten anstrengende Wege auf sich nehmen, wenn sie den Gottesdienst besuchen wollten. In Sárvár häuften sich die Schwierigkeiten, als der Rat der Stadt zu Beginn der 1700er Jahre ein Ansiedlungsverbot für Evangelische in der Stadt erließ. In den damals alleinstehenden Dörfern, in Vármellék, Sári, Tizenháromváros, wurden sie geduldet. (Diese Dörfer gehören inzwischen seit mehr als hundert Jahren zu Sárvár.) Neben den griechischen und jüdischen Handelsleuten zog zu dieser Zeit eine ansehnliche Zahl an deutschen evangelischen Handwerkern in die Nähe von Sárvár. Am Ende des 18. Jahrhunderts bildeten sie etwa 40% der wieder erstarkenden Gemeinde. Das Toleranzedikt von 1781 schaffte überall neue Möglichkeiten, so auch in Sárvár. Zuerst wurde eine Kirche aus Holz gebaut, die im Jahre 1829 samt mehreren Gebäuden den Flammen zum Opfer fiel. Infolge des Großbrandes verließen der Pfarrer und auch der Lehrer die Gemeinde, da die Gemeindemitglieder zahlungsunfähig geworden waren. Die Ortsbewohner – hier ist besonders der Name des Blaufärbers Karl Kluge zu erwähnen – veranstalteten eine große Sammlung. Den Bau einer neuen Kirche wurde – unter anderen – von den Gemeinden Ödenburg und Raab gefördert. Mit dem Bau der Kirche wurde der Baumeister Samuel Geschrey beauftragt. (Seine Familie kam 1830 nach Vármellék). Die feierliche Kirchweihe war am 17. Juli 1836. Zu diesem Anlass wurde auch der erste Pfarrer der Gemeinde Matthäus Rahner inauguriert. Die Geschehen vor 500 Jahren haben auch heute noch Auswirkungen auf das Glaubensleben von Millionen Menschen. Hoffentlich gehen die Opfer unserer Ahnen nicht spurlos an uns vorbei! Lasst uns das Wort Gottes möglichst oft hören!

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