Weihnachten bei Familie Luther

Weihnachten bei Familie Luther

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Quelle: Evangélikus Élet, Deutsche Anlage, Text: Johannes Erlbruch
Für viele Menschen ist Weihnachten ein Familienfest. Sie machen sich auf, um am Heiligen Abend im Kreis der Familie zu feiern, beschenken sich gegenseitig und sitzen am Weihnachtsbaum beisammen. Viele, die keine Familie haben, spüren in der Weihnachtszeit Einsamkeit. Denn Weihnachten und Familie gehören für die meisten Menschen zusammen. Dass dies so ist, hängt mit Martin Luther zusammen.

Wie hat eigentlich Martin Luther Weihnachten gefeiert? – Auf einem Kupferstich des Weimarer Künstlers Carl August Schwerdtgeburth (1785–1878) wird Luther als Vater im Kreis seiner Familie dargestellt. Seine Ehefrau Katharina von Bora, von ihm liebevoll „Käthe“ genannt, sitzt neben ihm mit dem jüngsten Kind auf dem Schoß, um den Tisch versammelt sind die anderen vier Kinder der Familie Luther. Mit dabei ist auch Philipp Melanchthon, Luthers treuer Freund und Mitreformator. In der Ecke sitzt eine Magd, welche die Szene andächtig beobachtet. Auf dem Tisch steht der Weihnachtsbaum, dessen Licht die Kinder fasziniert. Martin Luther selbst spielt die Laute und singt Weihnachtslieder. Dieses Bild hat die Vorstellung vom evangelischen Weihnachtsfest im 19. Jahrhundert stark geprägt. Manches ist natürlich spätere Erfindung. Den Weihnachtsbaum hat Luther beispielsweise noch nicht gekannt; dieser Brauch kam erst im 18. Jahrhundert auf, hat sich dann aber rasch durchgesetzt. Aber dass Weihnachten auch in der Familie gefeiert und gepflegt wird, verdanken wir Martin Luther. Weihnachten wurde damals hauptsächlich als Hochfest in der Kirche gefeiert. Aber Luther war bald nach seiner Heirat mit Katharina von Bora im Jahr 1525 auch Familienvater. Insgesamt sechs Kinder wurden dem Paar geboren, und Luther legte großen Wert darauf, dass auch die Kinder im Glauben an Jesus Christus aufwuchsen. Luther hatte eine besondere Gabe, sich auf die Kinder einzulassen. Das hing auch mit seiner Theologie zusammen, die stark von der Menschwerdung Jesu Christi geprägt war: „Wir fassen keinen anderen Gott als den, der in jenem Menschen ist, der vom Himmel kam. Ich fange bei der Krippe an.“ Diese Theologie, die bei der Menschwerdung Christi ansetzt, wird bei Luther praktisch umgesetzt in der Kindererziehung. Er sagte einmal: „Christus, da er Menschen erziehen wollte, musste Mensch werden. Wollen wir Kinder erziehen, müssen wir selbst Kinder mit ihnen werden.“ Die Botschaft von Jesus Christus sollte den Kindern also auf kindgerechte Weise vermittelt werden – weil Gott selber Kind geworden ist. Ein wichtiges Instrument, den Kindern das Geheimnis Christi nahezubringen, war die Musik. Luther schrieb viele Lieder nach den Melodien damals bekannter Volksweisen. So konnten die Lieder leicht behalten und gut mitgesungen werden. Manche dieser Lieder waren ausdrücklich für Kinder gedacht. Das berühmte Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“ soll Luther anlässlich der Geburt seiner jüngsten Tochter Margarete gedichtet haben. Das Lied ist als eine persönliche Anrede formuliert, die beinahe in jeder Strophe durchklingt. Der Engel sagt es nicht nur den Hirten, sondern auch den Kindern, ja uns allen: Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär; der guten Mär bring ich so viel, davon ich singen und sagen will. Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein, das soll euer Freud und Wonne sein. Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not, der will euer Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein. Die sechste Strophe fordert die Kinder geradezu auf, jetzt mit den Hirten in die Stube hineinzugehen und das besondere Geschenk Gottes anzusehen: Des lasst uns alle fröhlich sein und mit den Hirten gehn hinein, zu sehn, was Gott uns hat beschert, mit seinem lieben Sohn verehrt. In der sechsten Strophe klingt das Thema „Bescherung“ an. Auch der Brauch des Schenkens zum Christfest geht letztlich auf Martin Luther zurück. Für den Reformator war Jesus Christus selbst das größte Geschenk, das Gott uns Menschen gemacht hat. Den Kindern sollte dieses Geschenk verdeutlicht werden, indem sie am Tag seiner Geburt selber Geschenke erhielten; die Gaben brachte nun der „heilige Christ“ am Tag seiner Geburt und nicht mehr der heilige Nikolaus am 6. Dezember, wie es bis dahin in der mittelalterlichen Kirche üblich war. Auch das Einüben von Theaterstücken mit der Geschichte der Geburt Jesu wurde von Luther und Melanchthon gefördert. Insgesamt wird deutlich, dass Luther Bräuche bewusst gestaltete, um Jesus Christus ins Zentrum zu setzen. Nicht alles hat sich bis heute durchgehalten. So war es noch für Luther klar, dass mit der Geburt Jesu Christi auch das neue Jahr beginnt. Denn in seiner Geburt macht der lebendige Gott mit uns einen neuen Anfang. Das klingt noch in der letzten Strophe des Liedes „Vom Himmel hoch“ an: Lob Ehr sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen ein´gen Sohn. Des freuet sich der Engel Schar und singet uns solch neues Jahr. Luthers Anliegen war es, die Weihnachtsbotschaft im alltäglichen Leben zu verwurzeln. Es ist die Freude an Jesus Christus, die den Reformator prägt. Davon zeugt auch die Art und Weise, wie Luther im Kreis von Familie und Freunden Weihnachten gefeiert hat. So wird Christus selbst zum Familienmitglied, oder besser umgekehrt: Wir werden Teil seiner Familie. „Es sollte uns fürwahr nichts fröhlicher sein als dies, dass Christus geboren ist von der Jungfrau Maria.“

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