Wer bist du, Gott?

Wer bist du, Gott?

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Quelle: Evangélikus Élet, Deutsche Anlage, Redakteurin: Pfarrerin Eszter Heinrichs, Text: Pfarrer Mag. Joachim Grössing, Mörbisch am See
Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! Und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: „lch werde sein“, der hat mich zu euch gesandt.

Wie stellen wir uns Gott vor? Diese Frage beschäftigt Menschen immer wieder, vom kleinen Kind bis ins hohe Alter hinein. Wie stellen wir uns Gott vor? – mit dieser Frage begeben wir uns auf eine Suche, zu der sich vor uns schon unzählige Menschen aufgemacht haben. Eine Suche, die auch in der Bibel immer wieder Thema ist – und die uns so zur Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch führt (2.Mose 3,1–14).

Mose begegnet Gott in einer abgelegenen Gegend in der Wüste. Mit seiner Schafherde ist er da. Mose ist noch nicht alt – 40 Jahre – und doch hat er schon so viel erlebt. Er, der Sohn einer hebräischen Mutter, der das Morden im Schilfkörbchen überlebt hat. Er, das Findelkind, der Adoptivsohn der Tochter des Pharao, im Luxus erzogen, ein Privilegierter, dem alle Möglichkeiten offen stehen. Er, der sich trotzdem zu seinem Volk hingezogen fühlt und zum Mörder wird, aus Zorn über die Sklaverei und die Ungerechtigkeit und dann fliehen muss. Er, der eine neue Heimat, der Asyl gefunden und eine Familie gegründet hat in der Fremde. Hirte ist er geworden.

In der jüdischen Überlieferung wird erzählt, dass Mose einem verirrten Lamm nachgegangen und so zu dem Ort gekommen ist, an dem ihm Gott begegnet. Die Sorge um das Unscheinbare, Unbedeutende kann Menschen zu Gott führen. Auch die Offenheit und die Neugier, das Hinschauen und Hingehen. Wer geht schon einem verirrten Lämmlein nach, wenn er eine große Herde zu betreuen hat? Und wer achtet auf einen brennenden Strauch, mitten in der Wüste? Neugier und Offenheit, die Fähigkeit, hinzusehen und hinzugehen – all das brauchen wir, um Antwort auf die Frage zu finden, wie wir uns Gott vorstellen sollen.

Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! – Hier bin ich, sagt Mose. Eigentlich mutig. Und dann können wir mit Mose mithören: “Du kennst mich! Ich bin der Gott deiner Väter und Mütter. Auch wenn du es nicht weißt, du lebst nicht vereinzelt. Lange vor dir habe ich eine Geschichte mit deinen Vorfahren angefangen, und du hast jetzt eine Aufgabe darin! Und wenn du wieder Sinn finden willst in deinem Leben, dann stell dich dieser Aufgabe! Wechsle den Ort! Ich brauche dich – in Ägypten! Das Leiden meines Volkes geht mir nahe, es lässt mir keine Ruhe, ich brauche deinen Einsatz für sie!” Und Mose fragt: “Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten?” In der Geschichte fällt auf, dass Mose Fragen stellt. Wer bin ich? und: Wie ist Dein Name?

Kritische Fragen. Fragen, die unseren Fragen ganz ähnlich sind. Gott – wer soll das sein? Gibt es den überhaupt? Warum kann man ihn nicht sehen? Wie soll ich ihn mir vorstellen? Mose fragt Gott direkt. Er wendet sich dieses Gegenüber, an die Stimme aus dem brennenden Dornbusch. Er fragt nach dem Namen Gottes und damit fragt er: Wie bist du, Gott? Wie sollen wir uns dich vorstellen? Wofür stehst Du?

Kritische Fragen sind wichtig: Man muss sie stellen in Bezug auf Religion, im Hinblick auf den Glauben. Man muss hinterfragen, man muss Fragen stellen an alle Bewegungen und Menschen, die Heil versprechen – egal, ob es Gurus, Esoteriker, Wunderheiler, Politiker mit wunderbar einfachen Rezepten, Pfarrerinnen und Pfarrer oder Religionslehrer oder Religionslehrerinnen sind. Wer Glück und Heil verspricht und kritische Fragen nicht aushält oder gar verbietet – dem geht es um Geld oder Macht oder um beides – aber eben nicht um Glück. Wir sind zwar gewohnt, den eigenen Glauben, unsere eigene Religion durchaus kritisch zu hinterfragen – und das ist auch gut so und gehört dazu. Aber ob wir bei den vielen anderen Glücksversprechen und Heilslehren genauso kritisch sind – das ist eine andere Frage. Mose glaubt nicht alles, er fragt zurück: Wie heißt du, wer bist du, was für einer bist du?

All unser Fragen – wer bin ich und wer bist du, Gott? – es ist der Anfang des Glaubens, der Anfang unserer Antwort auf den Ruf Gottes. Die Geschichte zeigt, dass Gott unsere Fragen aushält, unsere kritischen Fragen. Er verbietet Mose nicht den Mund. Die Schuhe muss Mose ausziehen, weil der Ort heilig ist, das Denken und Fragen wird ihm nicht verboten. Die Vernunft und die Kritik haben Platz vor Gott. Und weil wir einen Gott haben, der sich den kritischen Fragen stellt – deshalb kann auch unser Glauben, unsere Kirche kritische Fragen aushalten und sich mit ihnen auseinandersetzen. Das Hirn muss man nicht am Kircheneingang abgeben, so wie man die Kopfbedeckung abnimmt. Unsere Evangelische Kirche hat ihren Anfang in den kritischen Fragen Martin Luthers auf seiner Suche nach einem gnädigen Gott.

Wer bist du? – so fragt Mose. Und Gott gibt eine Antwort. Ich bin der ich bin.

Ein bisschen rätselhaft. Ich bin der ich bin, das heißt: Ich bin da. Ich war da. Ich bin da. Ich werde da sein. Ich bin immer da. Damit erinnert Gott den Mose an das, was er vor Augen hat: Schau doch, der Dornbusch, dieses Feuer, das brennt und sich nicht verzehrt, die Energie, die sich nicht aufbraucht. Das bin ich, sagt Gott. Kraft, Energie, die sich nicht verbraucht. Ewige Kraft und Energie. Und das Feuer ist durch diese Geschichte ein biblisches Symbol für Gott geworden, an vielen Stellen ist von ihm die Rede. Vor allem in der Pfingstgeschichte – Feuerflammen machen die Kraft Gottes, den Heiligen Geist, anschaulich. Gott sagt noch mehr. Er verbindet seinen Namen mit der Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten. Damit sagt er: Ich bin da – das heißt immer: Ich bin für euch da. Ich bin ein Feuer, das für euch brennt. Ich bin Feuer und Flamme für euch. Ich bin Energie und Kraft, die euch geschenkt wird. Ich stehe in Beziehung zu euch, in einer liebevollen Beziehung. Mein Name ist: Ich bin für euch da!

Der Name ICH-BIN-DER-ICH-BIN, bedeutet immer auch: Ich bin rätselhaft, ich bin nicht einzufangen, nicht in einem Namen und auch sonst nicht. Vieles an mir bleibt unerforschlich und unergründbar und unaussprechlich. Ich lasse mich nicht festlegen, sagt Gott, nur in dem einen Punkt lege ich mich selber fest: ich bin da, bin immer da und ich bin für euch da. Immer da sein – das nennen wir Ewigkeit. Für jemanden anderen da sein – das nennen wir Liebe. Ich bin, der ich bin, ich bin eine ewige Kraft – und ich bin für euch da. Das muss reichen als mein Name, sagt Gott. Der Rest ist unaussprechlich, nie ganz zu erfassen, immer nur in Bruchstücken zu beschreiben.

Als Christinnen und Christen glauben wir: In Jesus – dem Messias, dem Christus – hat sich Gott gezeigt. Er hat seinem Namen Ich bin für euch da Gestalt gegeben, hat gezeigt, dass er als Person – persönlich – für uns da ist. Jesus hat die Liebe Gottes verkörpert. Durch ihn hat sie ein menschliches Gesicht bekommen – und sie kommt uns immer wieder nahe in den Geschichten, die wir von Jesus kennen. Sich an der Liebe Jesu immer wieder neu ein Beispiel zu nehmen – das ist etwas, was das Leben schöner und die Menschen glücklicher machen kann. Einfach weil es guttut, respektvoll und liebevoll miteinander umzugehen und sich um einander zu kümmern. Feuer und Flamme für andere Menschen sein, so wie Gott Feuer und Flamme für uns ist. Dass uns das gelingt und es uns gut geht damit – das wünsche ich uns und dazu schenke uns Gott seinen Heiligen Geist. Amen.

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